Pigmente

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Pastellherstellung (1)© Marc Volquardsen, 2012

Durch die Beschäftigung mit der Thematik wie sich Pastelle selber herstellen lassen, kommt man unweigerlich zur Auseinandersetzung mit Pigmenten. Zuerst dachte ich noch, dass ich locker vom Hocker eine kurze Zusammenfassung schreibe, was sich jedoch als ein reichlich naiver Gedanke herausstellte. Die Welt der Pigmente und Malkunde ist groß und es hat schon seinen Grund, warum es dicke Bücher darüber gibt. Daher beschränke ich mich auf einen sehr kleinen Ausschnitt, welcher dem Pastellkünstler etwas Hintergrundwissen liefert. Für diejenigen, die sich in die überaus interessante Materie vertiefen wollen, gebe ich ein paar Literaturhinweise am Ende des Beitrags.

Ausgangsstoff für alle Farben ist das Pigment. Dies liegt zunächst nur in Pulverform vor und wird erst durch Beigabe unterschiedlicher Bindemittel (so eine Art Kleber) zur Acryl-, Öl- oder Aquarellfarbe oder zum Pastell. Pigmente lassen sich aufgrund ihrer chemischen Zusammensetzung in zwei Gruppen einteilen: Anorganisch und organische Pigmente. Ein weiterer Schritt unterscheidet nach ihrer Herkunft, ob es sich um künstliche oder natürliche Pigmente handelt. Dabei können sie pflanzlichen, tierischen, mineralischen Ursprungs sein oder in den Labors der Chemiker entstehen.

Organische Pigmente basieren in ihrer molekularen Zusammensetzung auf Kohlenstoffbestandteilen.

  • natürliche: Karmin, Indischgelb,
  • synthetische: Chromgelb, Echtgelb, Phtalo-Cyaningrün,

Anorganische Pigmente sind chemische Verbindungen, die nicht auf Kohlenstoffatomen aufgebaut sind.

  • natürliche: hierzu gehören Erden und Mineralien wie z.B.Umbra und Ocker,
  • synthetische: Eisenoxidrot, Carpuut Mortuum, Marsgelb, Weißpigmente

Da jedes Pigmentkorn eine unterschiedliche Teilchengröße hat, variieren die Eigenschaften von Pigment zu Pigment stark. Jedes Pigment verhält sich anders in Bezug auf Lichtechtheit, Konsistenz, Verarbeitung, Pinselfluss oder bei Pastellen dem Abrieb. Hat man vierzig verschiedene Pigmenthaufen nebeneinander liegen, die mit dem bloßen Auge alle wie farbige Mehlhaufen aussehen, bedeutet dies nicht, dass sich alle gleich gut und einfach verarbeiten lassen. Pip Seymour weist darauf  hin, dass die organisch synthetischen Pigmente wie Heliogen Grün sich nur schwer mit Wasser vermischen lassen und ein zusätzliches Netzmittel benötigen. Andere Pigmente benötigen wiederum mehr Bindemittel, um die Pigmentkörner überhaupt zusammen zu halten.

Pastellherstellung (2)

© Marc Volquardsen, 2012

Beim Vermischen von Titanweiß mit Wasser, nimmt das Pigment zunächst das Wasser schwer auf und verhält sich wie zähes Kaugummi.

Pastellherstellung (3)

© Marc Volquardsen, 2012

Dieses Violett nimmt das Wasser überhaupt nicht an.
Die Pigmentteilchen schwimmen auf einem Wasserfilm.

Pastellherstellung (4)

© Marc Volquardsen, 2012

Ultramarinblau lässt sich leicht zu einer Paste vermischen.

All dies erklärt auch, warum selbst innerhalb einer Marke die Konsistenz der Sticks sehr unterschiedlich ausfallen kann. Aufgrund der oben aufgeführten Punkte eignen sich nicht alle Pigmente gleich gut für einen Herstellungsprozess innerhalb einer Manufaktur. Viele Pastellmaler werden schon festgestellt haben, dass bei Softpastellen Rottöne, insbesondere dunkle, häufig hart und kratzig sind, dazu neigen zu bröseln und zu zerbrechen. Dies hat mit der Eigenschaft des Pigmenten zu tun und nicht mit dem Unvermögen der Hersteller.

Bücher

  • Boesner Katalog 2011/2012, S. 264
  • Finley, Victoria: Das Geheimnis der Farben.
  • Hoppe, Thomas: Malkunde. Grundlagen, Materialien, Techniken. Bonn, Seemann Verlag 2005
  • Myntweiler, Stefan: Farbpigmente, Farbstoffe, Farbgeschichten. 2. überarb. und erweit. Auflage, 2011, zu beziehen über Kremer Pigmente
  • Seymour, Pip: Making Soft Pastels  Using Dry Pigments. London, 1999, S. 12  Mit deutscher Übersetzung zu beziehen über Kremer Pigmente
  • Smith, Ray: Praxisbuch für Künstler. Dorling Kindersley 2009

Websites:

5 Responses

  1. Dolores Saul
    | Antworten

    Hallo Astrid,
    das ist wirklich hochinteressant. Du hast Dir so viel Arbeit gemacht und die Pigmente in ihrer Art und Herstellung toll erklärt. Nun ist mir klar, warum ich bei manchen Softpastellfarben kleine Kratzer auf dem Sennelier Card Papier ungewollt erzeugte. Danke für die reichhaltigen Infos.
    Bei dieser Kälte warte ich aber eigentlich auf ein Bild von Dir, mit zugefrorener Elbe ;-). Bei einem TV Bericht sah ich den Fluss, die im Eis festsitzenden Schiffe und Eisbrecher, alles in einem schemenhaften Licht getaucht.
    Lieben Gruß
    Dolores

    • Astrid
      | Antworten

      Hallo Dolores,
      es freut mich, wenn ich das Verständnis für das Material erweitern konnte…:-)
      Was die Elbe betrifft: Wir waren am Wochenende tatsächlich dort. Im Beitrag am Mittwoch gibt es kalte Grüße.

  2. Casey Klahn
    | Antworten

    I was just going to the basement to do some of this pastel making. What a treat to see your photots and report – I look forward to more.

    My goals: a set of clear grays/ warm and cool. Blue-grays that are clear.

    My last accomplishment: a perfect set of olive green sticks!

    • Astrid
      | Antworten

      Hi Casey,
      I have found out that makink pastel sticks can be somewhat easy and on the other hand be very tricky. Now I have to find out how much wedding agents is needed. (One drop, two, three…….)

  3. martin
    | Antworten

    Betr.: Herstellung von Pastellen

    Zur Herstellung von kantigen Pastellen habe ich mir im Baumarkt eine U-förmige Plastikleiste (jede Kante des U 1 cm lang) von 1 m Länge gekauft und sie in etwa 7 cm lange Stücke geschnitten.Die Enden werden mit kleinen Holzklötzchen (auch 1 cm Kantenlänge) verschlossen. Der »Pastellbrei« , der recht flüssig sein kann, wird dann in die Plastikform zwischen die Holzstücke gegossen. Vorher wird die Form mit Silikonspray eingesprüht. Nach einigen Tagen wird ein Holzstück entfernt und der Pastellstift mit dem anderen Holzstück aus der Form geschoben.

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